Wie funktioniert die Uhr?: Die Digitaluhr

Als Uhrmacher ist mein Verhältnis zur Digitaluhr ambivalent. Einerseits schlägt mein Herz für die mechanische Uhr, mit ihrem mehrstufigen Getriebe, dem Schwingsystem oder der klassischen Anzeige – hier lebt die Uhrmacherkunst. Andererseits aber weiß ich die Funktionalität, Belastbarkeit und Langlebigkeit einer quarzbetriebenen Digitaluhr zu schätzen. Grund genug, in der Reihe „Wie funktioniert die Uhr?“ die Digitaluhr einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Denn Sie werden schnell erkennen, dass eine Digitaluhr nicht immer das ist, wofür man sie hält.

Was eine Digitaluhr wirklich ausmacht?

Casio G-Shock Gravitymaster GA-1000-9GER Herrenuhr schwarz gold
Casio G-Shock Gravitymaster
Casio G-Shock GD-120MB-1ER Herrenuhr schwarz
Casio G-Shock

 

 

Hören heute Menschen den Begriff Digitaluhr, kommt ihnen meist eine Firma in den Sinn: Casio. Nicht zu Unrecht. Hat der japanische Uhrenhersteller doch auf dem Gebiet der Digitaluhren Bahnbrechendes geleistet. Man denke nur an die Casio G-Shock Uhren (Bild: GD-400-4ER), die als sie 1983 auf den Markt kamen, regelrecht den Uhrenmarkt revolutioniert haben.Doch die Geschichte der Digitaluhr beginnt viel früher. Denn streng genommen, ist eine Digitaluhr nichts anderes als eine Uhr, welche die Uhrzeit durch Ziffern anzeigt. Damit unterscheidet sie sich von einer analogen Uhr, die für die Anzeige der Zeit Zeiger auf einem Zifferblatt verwendet. Folgt man dieser Definition, befindet sich eine der ältesten Digitaluhren im Torre dell’Orologio auf dem Markusplatz in Venedig. Sie stammt aus dem Jahr 1599 und beinhaltet u. a. eine Anzeige auf der mittels römischer Ziffern die Zeit angegeben wird. In frühes deutsches Beispiel für eine Digitaluhr befand sich in Dresden. So wurde beim zweiten Semperopernbau (1871 bis 1879) eine digital anzeigende Uhr im Bühnenportal angebracht. Weltweit entstanden in den Folgejahren Uhren, die mitunter bis heute noch gebräuchliche Anzeigevarianten wie Fallblätter (Wecker, Bahnhofsuhren, Flughafenanzeigen), Scheiben oder Walzen (Kilometer-Anzeige bei Autos) verwenden. Die Digitaluhr, so wie man sie heute versteht, eben etwa die Armbanduhr-Modelle von Casio, kam erst ab den 1970er Jahren auf den Markt.


Digitaluhr ist nicht gleich Quarzuhr

Heute werden Digitaluhren fast ausschließlich von Schwingquarzen angetrieben, weshalb die meisten Menschen die Digitaluhr mit der Quarzuhr gleichsetzen. Die vorangestellten Beispiele zeigen: Eine Digitaluhr ist nicht gleich eine Quarzuhr, weil es eben nicht um die Antriebsart, sondern um die Anzeigeart geht.Für den Weg an die Handgelenke von Männern und Frauen brauchte es seine Zeit sowie die nötigen technischen Entwicklungen. Der erste Vorreiter einer der modernen Digitalarmbanduhr war die Pulsar P1 der amerikanischen Firma Hamilton aus dem Jahr 1971. Die Uhr hatte jedoch zwei Probleme: Sie kostete bei der Einführung nicht nur unglaubliche 3950 Dollar, sondern, die zur Beleuchtung eingesetzten LEDs entpuppten sich schnell als wahre Stromfresser und sorgten dafür, dass bei häufiger Benutzung die Batterien der Uhr bereits nach wenigen Tagen leer waren. Gelöst wurde das Problem durch den Einsatz von LC-Displays. Diese Flüssigkristallanzeigen (englisch liquid crystal display, LCD) verbrauchten bis zu 30000 Mal weniger Strom als LEDs und hielten somit deutlich länger. Auch sind sie in der Herstellung extrem günstig gewesen, was unter anderem dazu führte, dass gerade japanische Firmen wie Casio, Citizen oder Seiko die Digitaluhr zu einem Massenprodukt werden ließen. Aber ein Massenprodukt, welches mit der Zeit mit allerlei technischen Zusatzoptionen ausstattet wurde. Taschenrechner, Höhenmesser, Kompass, Gezeitenanzeige oder gar Kamera und TV-Empfang waren bald in den Digitaluhren integriert. Wahre Hightech-Wunderwerke wurden so in der Vergangenheit kreiert und machen die Digitaluhr bis heute zu einem wesentlichen Bestandteil der Uhrenindustrie.

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Autor
Thomas Gäbe
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